Reisen mit einem künstlichen Gelenk erfordert oft mehr Planung als früher — besonders, wenn ein Rollator oder Rollstuhl mit muss. Aus eigener Begleitungserfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, das passende Hilfsmittel zu wählen: es muss leicht genug sein, in Verkehrsmitteln handhabbar, bequem für längere Strecken und vor allem sicher. Im Folgenden schildere ich, worauf ich beim Kauf oder der Miete achte, welche Maße relevant sind, wie die Sitzhöhe die Mobilität beeinflusst und welche Airline‑Regeln zu Batterien und Transport ich stets überprüfe.

Welche Maße sind wirklich wichtig?

Bevor ich mich für ein Modell entscheide, messe ich drei Dinge genau nach: Transportmaß, Sitzmaße und Handgriffhöhe. Diese Angaben sind entscheidend für Autofahrten, Bahnabteile und Flugzeug‑Check‑in.

  • Transportmaß (gefaltet): Das gefaltete Maß entscheidet, ob das Gerät ins Auto, in den Kofferraum oder in das Gepäckfach eines Flugzeugs passt. Ich notiere Breite x Höhe x Tiefe in Zentimetern und vergleiche mit dem Stauraum des Fahrzeugs und den Vorgaben der Airline.
  • Sitzhöhe und Sitztiefe: Die Sitzhöhe beeinflusst das Aufstehen enorm. Für Menschen mit Knie‑ oder Hüftprothesen bevorzuge ich eine Sitzhöhe, die das Aufstehen erleichtert — oft zwischen 46 und 56 cm, je nach Körpergröße. Sitztiefe sollte weder zu kurz (fehlender Oberschenkelkontakt) noch zu lang (Druck unter den Knien) sein.
  • Gesamtbreite: Für enge Bahnhofsunterführungen oder Hotelzimmer messe ich Türbreiten und Bahnsteige — ideal sind Rollatoren/Rollstühle unter 70 cm Breite. Viele öffentliche Verkehrsmittel haben eingeengte Zugangsbereiche, daher gilt: schmaler ist oft praktischer.
  • Sitzhöhe: Warum sie so wichtig ist

    Bei einer Hüft‑ oder Knieprothese ist die richtige Sitzhöhe kein Luxus, sondern eine Funktionserfordernis. Eine zu niedrige Sitzfläche zwingt zu stärkerer Hüftbeugung beim Aufstehen; eine zu hohe Sitzfläche kann das sichere Aufstehen ebenfalls erschweren. Ich vergleiche die Sitzhöhe immer mit der eigenen Knöchelhöhe im Sitzen — die Oberschenkel sollten horizontal liegen, Füße flach auf dem Boden.

  • Praktischer Tipp: Wenn möglich, teste die Sitzhöhe in einer Filiale oder mietweise, bevor du das Gerät kaufst. Viele Hersteller bieten verstellbare Sitzhöhen oder unterschiedliche Sitzpolster an.
  • Leicht, stabil oder beides?

    Für Reisen bevorzuge ich ein ausgewogenes Verhältnis: ein möglichst leichtes Modell, das dennoch stabil genug ist. Materialien wie Aluminium reduzieren das Gewicht (Rollatoren oft 6–9 kg, leichte Rollstühle 9–15 kg). Achte auf das maximale Benutzergewicht des Herstellers — das gibt Rückschlüsse auf die Rahmenstärke.

  • Rollator‑Features, die ich schätze: höhenverstellbare Griffe, leichtes Faltmechanismus, abnehmbare Sitzfläche, Bremssystem, Korb oder Tasche, pannensichere Reifen für Reisen.
  • Rollstuhl‑Features: abnehmbare Fußstützen, Schnellspannachse bei Sitzrädern, faltbarer Rahmen oder komplett zerlegbar für den Kofferraum.
  • Airline‑Tipps: Was darf mit an Bord?

    Fliegen mit Rollator oder Elektrorollstuhl braucht Vorbereitung. Unterschiedliche Airlines haben unterschiedliche Bestimmungen — deshalb ist frühzeitige Absprache mit der Airline Pflicht. Ich rufe immer direkt an und frage nach folgenden Punkten:

  • Wie lauten die maximalen Außenmaße für gate‑checked Gehhilfen?
  • Gibt es besondere Vorgaben für E‑Rollstühle oder Batterien?
  • Gibt es Unterstützung beim Einchecken und beim Verladen (Gate‑Check, Assistance)?
  • Besonders wichtig sind Batterien bei elektrischen Rollstühlen. Die internationale Regelung unterscheidet nach Wattstunden (Wh):

    Wattstunden (Wh) Typische Regel
    ≤ 100 Wh Zumeist erlaubte Mitnahme im Handgepäck (Spare Batterie: in der Regel nur im Handgepäck).
    100–160 Wh Erlaubt mit schriftlicher Airline‑Genehmigung; oft im Handgepäck und nur begrenzt.
    > 160 Wh Meist nicht im Passagierflugverkehr erlaubt; Transport nur als Spezialfracht nach Absprache möglich.

    Ich habe gelernt: Lithium‑Ionen‑Batterien sind empfindlich. Die Batterie sollte gegen Kurzschluss geschützt und, wenn möglich, ausbaubar sein. Viele Airlines verlangen, dass Rollstühle mit Lithiumbatterien am Gate aufgegeben und im Frachtraum mit spezieller Kennzeichnung verladen werden — das erfordert Voranmeldung.

    Reisetipps für unterschiedliche Verkehrsmittel

    Praktische Hinweise, die ich vor jeder Reise überprüfe:

  • Auto: Messen, ob der Rollator/der gefaltete Rollstuhl in den Kofferraum passt. Eine transportfreundliche Tasche oder ein Kofferträger erleichtert das Handling.
  • Bahn: Bei ICE/EC/Regionalzügen auf die Rampen und Zuglängen achten. Manche Bahnhöfe haben schmale Aufzüge; schmale Geräte sind hier ein Vorteil. Frühzeitige Hilfeanmeldung bei der Bahn ist sehr empfehlenswert.
  • Flugzeug: Gatesupport rechtzeitig bestellen. Für Reisende mit eingeschränkter Mobilität bieten viele Airlines einen Rollstuhl bis zum Sitzplatz an, doch der persönliche Rollator/ Rollstuhl wird meist am Gate abgenommen und im Frachtraum verstaut.
  • Miete versus Kauf: Wann lohnt was?

    Für kurze Reisen oder Urlaube lohnt sich oft die Miete: lokaler Verleih spart Transportaufwand und reduziert Risiko. Bei längeren Aufenthalten oder regelmäßigen Reisen ist ein eigener, auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmter Rollator/Rollstuhl sinnvoll. Ich habe gute Erfahrungen mit Anbieter‑Modellen wie Rollz Flex (Rollator mit Sitz und Rädern für unterwegs) und leichten Reise‑Rollstühlen von Drive Medical gemacht — aber immer: vorher probefahren.

    Packliste und letzte Tipps

  • Vor der Reise: Fotos vom Rollstuhl/ Rollator (Seriennummer), Bedienungsanleitung als PDF, Kontakt der Herstellerhotline.
  • Bei elektrischen Geräten: Technische Daten (Wh), abnehmbare Batterie, Schutzkappen für Pole, genehmigte Transportdokumente der Airline.
  • Mobilitäts‑Versicherung oder Reiseversicherung prüfen — manche Policen decken Hilfsmittelverlust oder Beschädigung.
  • Im Hotel: Vorab um ein Zimmer im Erdgeschoss oder mit Aufzug bitten und darauf hinweisen, dass ein Rollstuhl/Rollator mitgeführt wird.
  • Ich hoffe, diese praxisorientierten Hinweise helfen dir bei der Planung deiner nächsten Reise. Wenn du willst, kann ich dir beim Vergleichen konkreter Modelle oder beim Formulieren einer Anfrage an eine Airline helfen — sag mir einfach, welche Strecke und welches Gerät du nutzt.