Nach einer Knie‑Revision ist die Angst vor einer erneuten Auskugelung (Luxation) bei vielen Patientinnen und Patienten präsent. Ich habe Angehörige durch diesen Prozess begleitet und zahlreiche Gespräche mit Physiotherapeutinnen, Orthopäden und Reha‑Fachkräften geführt. Aus diesen Erfahrungen teile ich hier eine praxisnahe Anleitung mit 5 sicheren Progressionsstufen, wie Sie mit einem Theraband (z. B. TheraBand) gezielt in den Alltag zurückfinden und das Risiko einer Luxation reduzieren können.

Warum Theraband‑Übungen sinnvoll sind

Ein Theraband ist ein einfaches, variables Trainingsgerät, das sich gut an den Heilungsverlauf anpassen lässt. Es stärkt gezielt die Muskulatur um das Knie – vor allem Quadrizeps, Glutaei und die Hüftmuskulatur –, verbessert die Propriozeption (Körperwahrnehmung) und erhöht die Stabilität im Gelenk. All das sind zentrale Faktoren, um Luxationen vorzubeugen. Wichtig: Jede Übung sollte in Absprache mit Ihrem Operateur oder Ihrer Physiotherapeutin freigegeben werden.

Grundregeln vor Beginn

  • Führen Sie keine Übungen durch, wenn Sie stechende Schmerzen, Zunahme von Schwellung oder plötzliche Instabilität verspüren.
  • Beginnen Sie mit leichtem Widerstand (gelb/leicht) und steigern Sie die Bandstärke nur bei schmerzfreiem Verlauf.
  • Atmen Sie ruhig, vermeiden Sie ruckartige Bewegungen und achten Sie auf saubere Technik.
  • Wenn Sie eine Orthese tragen, klären Sie vorab mit dem Behandlungsteam, ob und wann Übungen ohne/mit Orthese erlaubt sind.
  • Die 5 Progressionsstufen – Übersichtstabelle

    StufeZielWiderstandKontextSätze x Wiederholungen
    1aktive Mobilisation, Schmerzfreiheitsehr leicht (z. B. gelbes Band)im Sitzen/liegend2 x 10–15
    2isometrische Stabilitätleichtstehend mit Unterstützung3 x 10–20 (10–30s Halten)
    3funktionelle Kraftmitteleinbeinige Übungen, kontrollierte Bewegungen3 x 8–15
    4Propriozeption & Balancemittel bis starkstehend auf instabiler Unterlage3 x 30–60s / 3 x 8–12
    5Alltagslast & Reaktivitätvariabel (stark bei Bedarf)Treppen, Schritt‑Training, seitliche Belastung3 x 6–12

    Stufe 1 – Sanfte Aktivierung (Sitzend/liegend)

    Ziel: Beweglichkeit und schonende Muskelaktivierung ohne Last auf dem Gelenk.

  • Übung: Knieextension mit Theraband im Sitzen. Band um Fußgelenk, Ende befestigt. Langsame Streckung im Knie, bis leichte Anspannung im Quadrizeps.
  • Tipp: Halten Sie 1–2 Sekunden am Ende, dann langsam absenken.
  • Warum: Reaktiviert den Quadrizeps, der bei Operationen oft abgeschwächt ist – ein wichtiger Schutz gegen Subluxationen.
  • Stufe 2 – Isometrische Stabilität (stehend mit Unterstützung)

    Ziel: Stabilität aufbauen ohne große Gelenkwinkel.

  • Übung: Isometrische Hüftabduktion. Band um beide Knöchel, stehen Sie seitlich zur Wand – drücken Sie das operierte Bein zur Seite, halten Sie die Spannung 10–30 Sekunden.
  • Variation: Isometrische Quadrizeps‑Anspannung im Sitzen oder im 30°‑Flexionswinkel.
  • Warum: Isometrische Arbeit schützt das Gelenk bei Status‑Änderungen wie beim Umdrehen oder Anhalten unterwegs.
  • Stufe 3 – Funktionelle Kraft (kontrollierte Dynamik)

    Ziel: Kraft unter Kontrolle, einbeinige Stabilität.

  • Übung: Vorwärtsschritt mit Band. Band um Hüfte und Rücken eines stabilen Stuhls befestigen, machen Sie einen schritt nach vorne gegen den Widerstand und kontrollieren Sie das Knie beim Absenken.
  • Übung: Einbeinige Kniebeuge an der Wand mit Band um Knie zur Mittenführung (leicht nach außen ziehen, um Valgus zu vermeiden).
  • Hinweis: Achten Sie darauf, dass das Knie nicht über die Zehenspitzen hinausragt – langsame, kontrollierte Bewegung.
  • Stufe 4 – Propriozeption und Balance

    Ziel: Verbesserung der sensorischen Kontrolle, Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Belastungen.

  • Übung: Einbeinstand auf Balancekissen mit Theraband, das seitlich befestigt ist – leichte Bewegungen gegen den Widerstand fordern die seitliche Stabilität.
  • Übung: Mini‑Sprünge (nur bei Freigabe), Landung kontrolliert in leicht gebeugtem Knie, Band kann zur Unterstützung/Verzögerung eingesetzt werden.
  • Warum: Luxationen passieren oft bei unvorhersehbaren Dreh‑ und Krafteinwirkungen; hier lernen Muskeln und Nerven, schnell zu reagieren.
  • Stufe 5 – Alltagsnahes Training und Reaktivität

    Ziel: Transfer in Aktivitäten wie Treppensteigen, Ein‑/Aussteigen aus Auto, Gehen auf unebenem Untergrund.

  • Übung: Seitliche Schritte mit starkem Band (z. B. rot/sschwarz), simulieren Sie das Ausweichen und seitliche Belastungen.
  • Übung: Schritt‑und‑Dreh‑Übungen: Band um die Hüften, machen Sie einen Schritt vorwärts und drehen Sie Rumpf und Hüfte gegen Widerstand – wichtig bei Richtungswechseln.
  • Alltagstipp: Üben Sie das kontrollierte Sitzen und Aufstehen (z. B. aus niedrigem Stuhl) mit leichtem Widerstand, das stärkt die funktionelle Festigkeit.
  • Schmerzmanagement und Anpassung

    Leichte Muskelkater sind normal; starke oder scharfe Schmerzen sind ein Warnsignal. Ich empfehle das Prinzip 24–48 Stunden: Wenn nach einer Übungseinheit Schmerzen deutlich zunehmen oder Schwellung sich verschlechtert, reduzieren Sie Umfang und Widerstand und besprechen es mit Ihrer Therapeutin. Eis, Hochlagern und Kompression helfen kurzfristig bei Schwellung.

    Spezielle Hinweise zur Vermeidung von Luxation

  • Achten Sie auf Hüft‑ und Kniepositionen, die in Ihrer spezifischen OP als gefährlich gelten (bitte OP‑Bericht/Anweisungen beachten).
  • Vermeiden Sie extremes Rotations‑ oder Abduktionstraining, wenn Ihr Operateur dies nicht empfiehlt.
  • Nutzen Sie Hilfsmittel wie Gehstöcke oder Rollatoren solange Sie unsicher sind; das nimmt die Last vom Gelenk und reduziert Drehmomente.
  • Praktische Umsetzung im Wochenplan

    Ein Beispiel für eine sichere Woche (nach Freigabe durch die Therapie):

  • Montag: Stufe 1 + 2 (sanftes Aktivieren, 20–30 Minuten)
  • Dienstag: Stufe 3 (Fokus Kraft, 30 Minuten)
  • Donnerstag: Stufe 2 + 4 (Isometrie + Balance, 25–35 Minuten)
  • Samstag: Stufe 5 in kleinem Umfang (funktioneller Transfer, 20–30 Minuten)
  • Zwischentage aktive Erholung: Spazierengehen, Mobilisation ohne Widerstand.

    Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen ein druckbares Übungsblatt mit Bildern oder ein kurzes Video‑Skript erstellen, das Sie mit Ihrer Therapeutin durchgehen können. Teilen Sie mir einfach mit, welche Stufe Ihre Reha‑Teams aktuell freigegeben haben – dann passe ich die Übungsvorschläge noch gezielter an.