Als Journalistin mit Schwerpunkt Orthopädie und Rehabilitation habe ich viele Patientinnen und Patienten begleitet, die sich nach einer Knieprothese gefragt haben: „Ist das noch normal oder schon gefährlich?“ In diesem Text teile ich praxisnahe, evidenzbasierte Hinweise, wie Sie zuhause subtile Infektionszeichen an der Knieprothese erkennen können, einfache Selbsttests durchführen und wann Sie sofort die Notaufnahme oder Ihren Operateur kontaktieren sollten. Ich schreibe aus der Perspektive einer Begleiterin, die auch Angehörige durch diesen Prozess geführt hat — klar, empathisch und handfest.

Warum subtile Infektionen gefährlich sind

Eine Infektion um eine Gelenkprothese kann anfangs sehr unauffällig sein. Anders als bei frischen Wunden muss man oft auf kleine Veränderungen im Alltag achten: leichtes Ziehen, veränderte Hautfarbe, ungewöhnliche Wärme oder eine schleichend zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit. Je früher eine Infektion erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen — manchmal reicht eine antibiotische Therapie, in ernsteren Fällen ist eine Operation nötig. Deshalb ist regelmäßiges Beobachten wichtig.

Worauf ich täglich achte: die einfache Checkliste

Ich empfehle, sich täglich fünf Minuten Zeit zu nehmen und folgenden Check durchzuführen. Kleine Abweichungen zu Ihrem „normalen Zustand“ sind wichtig.

  • Schmerzveränderung: Ist der Schmerz stärker als üblich, besonders nachts oder auch in Ruhe?
  • Schwellung: Wirkt das Knie deutlich dicker als am anderen Bein oder im Vergleich zu gestern?
  • Rötung: Gibt es neue Rötungen, Streifen oder verfärbte Haut um die Narbe?
  • Erwärmung: Fühlt sich das betroffene Knie wärmer an als das andere Knie?
  • Ausfluss oder Wundsekret: Gibt es eine neue Flüssigkeit, die aus der Wunde kommt oder auf der Haut klebt?
  • Allgemeinzustand: Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit oder plötzliche Leistungsabnahme?
  • Einfacher Selbsttest: Wärme- und Druckprüfung

    Diesen kleinen Test mache ich oft selbst oder erkläre ihn Angehörigen: Vergleichen Sie die Temperatur beider Knie mit der Innenseite Ihrer Hand (nicht mit der Fingerspitze). Wenn sich das operierte Knie deutlich wärmer anfühlt, kann das auf eine Entzündung hindeuten. Drücken Sie sanft rund um die Narbe und das Gelenk: schmerzt es deutlicher als beim anderen Knie oder als üblich? Achten Sie darauf, die Reaktion in Ruhe und nicht direkt nach Aktivität zu prüfen.

    Beurteilung der Wundheilung und Narbenkontrolle

    Auch Wochen bis Monate nach der OP lohnt sich die Kontrolle der Narbe:

  • Narbe geschlossen? Keine frische Öffnung, keine Fisteln (kleine Löcher).
  • Sekret? Klare Flüssigkeit kann serös sein, aber eitriger, grüner oder übelriechender Ausfluss ist alarmierend.
  • Hautveränderungen: Spannungsgefühl, dunkle Verfärbungen oder sich ausbreitende Rötung sind Warnsignale.
  • Atem-, Herz- und Allgemeinsymptome beachten

    Manchmal kündigt eine tiefer liegende Infektion systemische Symptome an. Ich achte deshalb auf:

  • Fieber über 38°C oder wiederkehrende Temperaturerhöhungen
  • Schüttelfrost oder plötzliches Frieren
  • Plötzliches Unwohlsein, Appetitverlust oder ungewöhnliche Müdigkeit
  • Wenn solche Symptome parallel zu den lokalen Zeichen auftreten, sollte die Notfallkontaktaufnahme sehr kurzfristig erfolgen.

    Praktische Hilfsmittel für Zuhause

    Ein paar Produkte erleichtern die Beobachtung und Dokumentation:

  • Thermometer: Ein digitales Ohr- oder Stirnthermometer (z. B. Braun, Omron) zur Temperaturkontrolle.
  • Smartphone-Kamera: Machen Sie tägliche Fotos der Narbe und notieren Sie Datum und Uhrzeit. Das zeigt subtile Veränderungen im Verlauf.
  • Maßband: Zur Messung der Schwellung an definierten Punkten (z. B. 10 cm oberhalb der Patella).
  • Notizbuch oder App: Dokumentieren Sie Schmerzen, Temperatur, Medikamente und Aktivitäten.
  • Wann Sie sofort handeln sollten: Alarmzeichen für die Notaufnahme

    Rufen Sie unverzüglich die Notaufnahme oder Ihren Chirurgen an, wenn eines der folgenden Punkte zutrifft:

  • Stark erhöhte Temperatur (>38°C) mit Schüttelfrost
  • Plötzlich intensiver Schmerz, der nicht durch Schmerzmittel kontrollierbar ist
  • Deutliche Rötung, die sich schnell ausbreitet
  • Ausfluss mit üblem Geruch, eitriges Sekret oder Blut aus der Wunde
  • Schnelle Verschlechterung der Beweglichkeit oder ein Gefühl, dass das Implantat „lockerer“ ist
  • Zeichen einer Sepsis: Verwirrtheit, sehr niedriger Blutdruck, Atemnot
  • Was beim Arzt oder in der Notaufnahme typischerweise gemacht wird

    Wenn Sie dort anrufen oder hinkommen, erwarten Sie meist folgende Schritte:

  • Erhebung einer exakten Anamnese (Wann begonnen? Welche Symptome?)
  • Körperliche Untersuchung mit Temperaturkontrolle und Wundinspektion
  • Bluttests (CRP, Leukozyten, ggf. Blutkulturen)
  • Bildgebung (Röntgen, manchmal Ultraschall oder CT zur Abklärung von Erguss)
  • Evtl. Punktion des Gelenks zur Gewinnung von Flüssigkeit für Mikrobiologie
  • Die Kombination von Klinik, Laborwerten und ggf. Punktat entscheidet über die weitere Behandlung (Antibiotika, Operation).

    Praxis-Tipps aus meinem Recherchenalltag

    Einige Dinge haben sich in Gesprächen mit Orthopäden und Physiotherapeuten bewährt:

  • Vergleichen Sie immer mit dem anderen Knie oder der Situation vor ein paar Tagen — Veränderungen sind oft subtil.
  • Fotos helfen, Ihrem Arzt die Entwicklung zu zeigen; ich habe erlebt, wie wertvoll ein klarer Bildverlauf war.
  • Informieren Sie Ihren Operateur sofort bei Unsicherheiten — viele Kommunikationen lassen sich telefonisch klären.
  • Wenn Sie Antibiotika einnehmen müssen: Nehmen Sie die gesamte verordnete Dauer ein, auch wenn es schnell besser aussieht.
  • Kurzer visueller Leitfaden (Tabelle)

    SymptomWas es bedeuten kannHandlung
    leichte Rötung, kein Fieberpostoperative Reizung oder frühe EntzündungBeobachten, Fotos, Arzt informieren
    Rötung + Wärme + Schmerzenmögliche lokale InfektionArzt kurzfristig aufsuchen, evtl. Bluttests
    Fieber (>38°C) + Schüttelfrostsystemische Infektionsofort Notaufnahme
    Ausfluss/oder eitriges Sekretmanifestierte WundinfektionNotfallkontakt, Wundabstrich/Punktion

    Ich hoffe, diese Anleitung hilft Ihnen, sicherer im Umgang mit möglichen Infektionszeichen zu werden. Beobachten, dokumentieren und im Zweifel ärztlich abklären — das sind meine zentralen Ratschläge. Wenn Sie möchten, kann ich in einem weiteren Beitrag erklären, wie eine Gelenkpunktion abläuft oder welche Fragen Sie Ihrem Operateur stellen sollten.